Oh my gosh!“ – Was dieser Ausdruck über Amerika verrät

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Oh my gosh – Ausdruck für Emotionen in den USA!

Bei unseren USA-Reisen wohnen wir am liebsten privat in typisch amerikanischen Nachbarschaften. Für mich ist das das wahre Amerika: der Duft von frisch gemähtem Rasen, die Flaggen an den Veranden und der gemütliche Fernsehabend nach einem langen Tag voller Entdeckungen. Abseits der großen Hollywood-Blockbuster bekommt man dort einen ehrlichen Einblick in den Alltag – und genau dabei ist mir etwas ganz besonders aufgefallen: Ob in Talkshows, bei den Nachrichten oder in den Home-Renovierungssendungen, die ich so liebe, hört man ständig denselben Ausruf: „Oh my gosh!“

„Anfangs dachte ich noch, ich höre nicht richtig oder die Leute würden einfach nur nuscheln.“

Doch nach genauerem Hinhören und Beobachten im Alltag wurde mir klar: Das ist kein Versehen. Sie sagen das mit voller Absicht und einer unglaublichen Begeisterung. Es scheint das universelle Wort für jede Form von Überraschung zu sein.

Hinweis: Ich habe diesen Beitrag kürzlich überarbeitet und mit passenden Illustrationen sowie aktuellen Gedanken ergänzt. Er zeigt, wie die Amerikaner Sprache und Emotionen verbinden. Falls übrigens gerade eine Reise geplant ist oder ein Telefonat in die USA ansteht, hilft ein kurzer Blick auf die aktuelle Uhrzeit in Los Angeles, um den richtigen Moment abzupassen.

Comic-Illustration „Oh my gosh“ – Bedeutung und Ausdruck von Verzweiflung im amerikanischen Englisch

Was bedeutet „Oh my gosh“?

Ich wollte unbedingt verstehen, was hinter diesem Ausdruck steckt, den man in den USA gefühlt an jeder Straßenecke und in jeder Fernsehsendung hört. Also fragte ich meine Schwiegertochter, die selbst Amerikanerin ist und mir schon oft geholfen hat, die feinen Nuancen der US-Kultur zu begreifen. Sie erklärte mir, dass „Oh my gosh“ das typische Wort für Überraschung, Erstaunen oder auch einen kleinen Schock ist – ein spontaner Ausruf, wenn einen etwas emotional berührt.

Gerade in Fernsehmomenten, etwa wenn in einer Renovierungsshow das fertige Haus enthüllt wird, bricht es förmlich aus den Menschen heraus. Es wirkt wie ein emotionales Ventil. Wenn etwas überwältigend, furchtbar oder schlichtweg unglaublich ist, ist „Oh my gosh!“ eine sichere Art, Gefühle auszudrücken – ohne dabei anzuecken.

Respekt vor dem Namen Gottes

Warum sagen viele Amerikaner ganz bewusst nicht „Oh my God“?

Die Antwort ist tief in der Gesellschaft verankert und hat mit echtem Respekt zu tun. In den USA ist der christliche Glaube für viele Menschen ein aktiver Bestandteil des Alltags. Für sie wäre es respektlos, den Namen Gottes beiläufig oder für banale Situationen zu verwenden.

Das zweite Gebot – „Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen“ – wird häufig sehr wörtlich genommen. Um also nicht Gefahr zu laufen, den heiligen Namen leichtfertig auszusprechen, greifen viele auf Alternativen zurück. Es ist gewissermaßen ein sprachlicher Schutzmechanismus: Emotion zeigen, ohne religiöse Grenzen zu überschreiten.

„Gosh“ als respektvolle Alternative

Meine Schwiegertochter erklärte mir weiter, dass „gosh“ eine harmlose Abwandlung von „God“ ist. In der Sprachwissenschaft spricht man hier von einem Euphemismus – einem Ersatzwort, das das Original abschwächt, ohne die Bedeutung ganz zu verlieren.

Anfangs fand ich das etwas verwirrend. Warum ein Wort wählen, das fast genauso klingt? Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir der kulturelle Unterschied. Es geht nicht nur um den Klang, sondern um die Absicht dahinter. Wer „gosh“ sagt, zeigt, dass er bewusst mit Sprache umgeht.

Neben „Oh my gosh“ hört man übrigens auch oft „Oh my goodness“. Beide Varianten gelten als höflicher und sind im ganzen Land verbreitet – von Kalifornien bis zur Ostküste.

Comic-Illustration mit dem Schriftzug „Oh my gosh“ und dem deutschen Wort „Erstaunen“ – amerikanischer Ausdruck für Überraschung

„Oh my gosh“ in der deutschen Sprache

Spannend ist, dass dieser Ausdruck inzwischen auch in der deutschen Umgangssprache angekommen ist. Vor allem bei Jugendlichen und in sozialen Medien wie TikTok oder Instagram hört man immer häufiger ein lässiges „Oh my gosh!“. Hierzulande wird es allerdings meist als modischer Anglizismus verwendet – oft ohne den religiösen oder respektvollen Hintergrund zu kennen, der in den USA eine wichtige Rolle spielt.

Im Deutschen gibt es zwar zahlreiche Ausrufe, doch keiner trifft den feinen Ton von „gosh“ hundertprozentig. Je nach Situation und Stimmung greifen wir zu ganz unterschiedlichen Formulierungen:

  • Ach du meine Güte! – kommt dem höflichen Ton am nächsten
  • Oh mein Gott! – die direkte Variante, die im Englischen oft bewusst vermieden wird
  • Donnerwetter! – etwas altmodisch, aber sehr ausdrucksstark
  • Um Himmels willen! – wenn Sorge mitschwingt
  • Wahnsinn! – wenn Begeisterung überwiegt

In Deutschland gehen wir vermutlich deutlich lockerer mit dem Wort „Gott“ um. Erst durch meine Reisen in die USA wurde mir bewusst, wie häufig ich selbst „Oh mein Gott!“ sage – ganz automatisch und oft bei völlig belanglosen Dingen.

Vielleicht ist genau das eine der wertvollsten Erkenntnisse, die man von einer Reise mitnehmen kann: den eigenen Sprachgebrauch einmal bewusst zu hinterfragen. Ein wenig mehr Bedachtsamkeit in unseren Worten könnte auch uns guttun. Am Ende geht es um Wertschätzung – gegenüber dem, was uns wichtig ist.

Wenn dich dieses Thema interessiert, schau dir auch meinen Beitrag über Floskeln und Smalltalk in den USA an. Dort zeige ich dir weitere Beispiele dafür, wie Amerikaner Sprache nutzen, um Emotionen charmant und oft sehr indirekt auszudrücken – genau wie bei „Oh my gosh“.

Eine bewusste Wortwahl

Die Erklärung meiner Schwiegertochter hat mich tatsächlich zum Nachdenken gebracht. Es beeindruckt mich, wie tief der Respekt vor dem Namen Gottes in der amerikanischen Kultur verwurzelt ist – so sehr, dass er sich sogar in kleinen sprachlichen Nuancen wie „gosh“ widerspiegelt. Für viele Amerikaner ist das keine bloße Floskel, sondern ein bewusst gewähltes Zeichen von Rücksichtnahme und Wertschätzung gegenüber den religiösen Überzeugungen ihrer Mitmenschen.

Im Alltag bemerkt man oft erst beim genaueren Hinsehen, wie sehr solche sprachlichen „Ersatzwörter“ dazu beitragen, das Miteinander harmonisch zu gestalten. Sie zeigen eine Sensibilität im Umgang mit Sprache, die ich sehr schätze.

Auch wenn ich selbst nicht besonders religiös bin, finde ich es wertvoll, über solche Unterschiede nachzudenken. Es führt uns vor Augen, wie selbstverständlich wir manchmal mit Worten umgehen, die in anderen Kulturen eine zentrale, ja heilige Bedeutung haben. Genau das sind für mich die Momente, in denen Reisen mehr ist als nur Entdecken neuer Orte. Man lernt nicht nur ein Land kennen, sondern reflektiert auch die eigene Art zu sprechen und zu denken.

Comic-Illustration mit roter Sprechblase und dem Schriftzug „Oh my gosh“ sowie dem deutschen Wort „Entsetzen“ – amerikanischer Ausdruck für starke Überraschung oder SchockRespekt und kulturelle Unterschiede

Diese Erfahrung hat mir einmal mehr gezeigt, wie viel man allein durch Sprache über andere Kulturen lernen kann. Es geht nicht nur um Höflichkeit, sondern auch darum, wie wir Emotionen ausdrücken und welchen Respekt wir bestimmten Werten entgegenbringen. Ob religiös oder nicht – Worte haben Wirkung.

Für solche bewussten Abwandlungen wie „gosh“ gibt es in der Sprachwissenschaft übrigens einen eigenen Begriff: Man nennt sie Minced Oaths – also gemilderte Flüche oder abgeschwächte Ausrufe, die starke Ausdrücke gesellschaftsfähig machen. Ein kleines Wort, das viel über kulturelle Sensibilität verrät.

Und genau deshalb fasziniert mich „Oh my gosh“ so sehr. Hinter diesem scheinbar harmlosen Ausruf verbirgt sich ein ganzes Stück amerikanische Mentalität.

Wenn dich amerikanische Redewendungen genauso interessieren wie mich, dann wirf gern auch einen Blick in meinen Beitrag über Redensarten in den USA. Manche sind charmant, manche überraschend – und alle erzählen auf ihre Weise etwas über die Kultur dieses Landes.

 


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79 Kommentare

  • Leider habe ich die Möglichkeit meinen Beitrag zu editieren nicht gefunden … deshalb einfach ein neuer Beitrag hinterher.
    Ich habe diesen Ausdruck mit „oh my gosh“ erst in der letzten Zeit vernommen … und mich zunächst darüber gefreut.
    War ich doch im Irrglauben, daß die Amis damit übersetzt „ach du meine Fresse“ sagen … was hier zu Lande ja auch gerne genommen wird. Eben „gosh“ für „Gosche / Fresse“.
    Schade … ich hätte den Amis durchaus zugetraut das „Gott“ hier durch „Fresse“ zu ersetzen. Wäre auch zu unserer vulgären Zeit passend gewesen ……

    • Hildegard Schultheis

      Danke für die interessante Info!
      Ich wundere mich schon seit einiger Zeit darüber, wenn ich es z.B. in Hausrenovierungssendungen höre. Aber jetzt ergibt es für mich Sinn.
      Ich kenne das, etwas verändert, ebenfalls, aus meiner Kindheit.
      Wenn wir, erstaunt, „jesses Kinner (Kinder)“ oder „jesses nee“ gesagt haben, gab es immer Ärger mit unserer Mutter.
      Sie war der Meinung, daß das geflucht ist und das mussten wir dann sogar beichten.
      Wir Kinder haben das nie verstanden und waren uns keiner Schuld bewusst.
      Später habe ich mich irgendwann mal informiert und erfahren, dass dieses „jesses“ für „Jesus“ steht.
      Also eine Paralle zu dem „Gosch“

  • Ich bin ein deutscher Atheist … und ein Mensch der VORHER überlegt was er sagt.
    Gerade die Bayern schießen da mit „Grüß Gott“ den Vogel ab. Meine Erwiderung … mach ich, wenn ich ihn treffe.
    So ist es auch mit „oh mein Gott“. Es wird einfach geplappert ohne zu überlegen was man da sagt !!!
    Einen Zusammenhang mit Gott stellt hier nämlich so gut wie keiner wirklich bewußt her.
    Ich sage von daher – trotzdem ich in Bayern wohne – lieber und treffender „Guten Morgen … guten Tag … guten Abend“ sowie nutze solche Erstaunen-Ausdrücke wie „oh mein Gott“ seit Jahrzehnten gar nicht mehr. (oder in wirklich extremen Fällen eines der nicht ganz jugendfreien Synonyme.
    Auch entschuldige ich mich nicht um eine Person anzusprechen … ich habe dieser ja nichts getan wofür es sich zu entschuldigen gibt. Im umgekehrten Fall gibt es die Antwort … „kein Problem … sie haben mir ja nichts getan“ … und ich gehe einfach weiter.

  • Ich finde es sehr schade, dass der Name Gottes immer mehr in den Hintergrund gerät.
    Wenn wir es genau nehmen, wäre es sinnvoller Gottes Namen öfter zu benutzen. Klar immer im richtigen Kontext.

  • Wenn jetzt Gott auch noch Gott heissen würde, solange sie keinen Namen sagen ist alles ok….. Gibt halt viele Götter.

  • Was es doch für religiöse Unterschiede gibt! Für Muslime gilt: den Namen Gottes (hier ‚Allah‘) kann man gar nicht oft genug aussprechen. Von den Juden weiß man ja seit langem, dass der Name (dort ‚JHWE‘) gar nicht ausgesprochen werden darf. Und die Christen stehen in der Mitte, sie sollen Gott nur nennen, wenn’s das auch wert ist. Aber es ist doch wirklich lächerlich, stattdessen ‚Gosh‘ zu sagen.

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